ClamAV-Test: schnelle Experten-Zusammenfassung
ClamAV ist ein kostenloses Open-Source-Antivirenprogramm mit guten Erkennungswerten von Malware, aber es ist das am schwierigsten zu bedienende Antivirus, das ich je getestet habe. Es funktioniert ausschließlich über die Befehlszeile und über PowerShell-Anwendungen, weswegen es eine steile Lernkurve hat, die es nicht wirklich wert ist, sich darauf einzulassen.
Da es keine grafische Benutzeroberfläche gibt, musst du jede Zeile manuell in deine Eingabeaufforderung (cmd) bzw. PowerShell eingeben. Die Benutzerhandbücher bieten keine ausreichenden Anleitungen; nur Experten würden verstehen, was sie da sehen. Im Vergleich zu modernen Antivirenprogrammen (wie Norton, Malwarebytes oder sogar Nischenlösungen wie IObit) war die Verwendung also eher eine unangenehme Erfahrung. Es wird dich sicher freuen zu hören, dass die Benutzeroberflächen von Norton und Malwarebytes sogar in Deutsch verfügbar sind.
Um ClamAV einzurichten, musst du mehrere komplizierte Schritte ausführen und Informationen in PowerShell eingeben. Ich stieß hier sofort auf Probleme: Die Schritte in der Anleitung funktionierten einfach nicht.

Selbst nach Eingabe der Befehlszeilen aus dem Benutzerhandbuch trat ein Fehler nach dem anderen auf. Manchmal hatte ich das Gefühl, ein paar Schritte vorwärts zu kommen, und dann trat schon wieder der nächste Fehler auf. Zuerst dachte ich, ich würde etwas falsch machen, also suchte ich Hilfe bei einem meiner Kollegen. Er hatte aber auch Probleme bei der Installation, Einrichtung und Nutzung der App.

Der Kundensupport hat versucht, mir so gut wie möglich zu helfen. Ich bin sehr dankbar für die Arbeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter, aber auch sie konnten mein Problem nicht lösen.

Insgesamt ist ClamAV für die große Mehrheit der Benutzer einfach zu kompliziert. Ich mag zwar eigentlich die Grundidee eines kostenlosen Open-Source-Antivirenprogramms sehr, und es tut mir sehr leid, das zu sagen, aber jedes Top-Antivirenprogramm (und ich meine wirklich „jedes”) wird eine einsteigerfreundlichere Benutzeroberfläche haben, mit der du einfach auf seine Funktionen zugreifen und sie nutzen kannst. Norton verfügt zum Beispiel über einen leistungsfähigeren Malware-Scanner, bei dem nicht für jede Aktion manuell Codezeilen eingegeben werden müssen. Stattdessen kannst du einfach auf die Schaltfläche „Scannen” klicken und damit dein Gerät in wenigen Minuten analysieren.
Es gibt bessere und benutzerfreundlichere Möglichkeiten, wenn du ein kostenloses Antivirusprogramm suchst. Der kostenlose Scanner von Bitdefender erreicht in unseren Tests durchweg eine Malware-Erkennungsrate von 100 % und verfügt über einen Echtzeitschutz sowie eine Anti-Phishing-Browsererweiterung. TotalAV ist eine ausgezeichnete Wahl für Android-Handys sowie Mac-Computer und testet auch sehr gut auf Viren. Die Benutzeroberflächen von Bitdefender und TotalAV sind ebenfalls auf Deutsch verfügbar.
ClamAV ist allerdings eine gute Wahl für Linux. Wenn du Linux verwendest, bist du aber wahrscheinlich ohnehin bereits mit PowerShell-Anwendungen, Befehlszeilen und komplexen Verfahren vertraut. In diesem Fall ist ClamAV aufgrund seiner relativ hohen Erkennungsraten und der Tatsache, dass es kostenlos ist, eine gute Wahl. Für normale Anwender von Windows oder Mac sind viele der auf dem Markt verfügbaren Antivirenprogramme jedoch viel einfacher und benutzerfreundlicher.

